Warum gute Entscheidungen unterschiedliche Perspektiven brauchen.
Als geschäftsführender Gesellschafter treffen Sie täglich Entscheidungen mit Auswirkungen auf Menschen, Organisation und Zukunft. Gleichzeitig gehen wir häufig davon aus, dass andere dieselbe Situation ähnlich bewerten würden wie wir selbst.
Die Realität zeigt etwas anderes.
Menschen betrachten dieselbe Situation oft vollkommen unterschiedlich. Was für die eine Person eine Chance darstellt, erkennt eine andere als Risiko. Was für die eine Person dringend erscheint, bewertet eine andere als nachrangig. Was für die eine Person logisch wirkt, löst bei einer anderen Zweifel aus.
Die Realität bleibt dieselbe.
Die Wahrnehmung jedoch nicht.
Und genau hier beginnen viele Missverständnisse, Konflikte und Fehlentscheidungen. Nicht, weil Menschen unterschiedliche Ziele verfolgen. Nicht, weil ihnen Informationen fehlen. Sondern, weil sie dieselbe Situation unterschiedlich wahrnehmen und daraus unterschiedliche Schlussfolgerungen ableiten.
Je größer die Verantwortung wird, desto wichtiger wird deshalb die Fähigkeit, die eigene Perspektive regelmäßig zu hinterfragen und zusätzliche Sichtweisen bewusst in Entscheidungen einzubeziehen.
Denn die teuersten Entscheidungen entstehen häufig nicht durch fehlende Informationen.
Sie entstehen dann, wenn wichtige Perspektiven unberücksichtigt bleiben.
Das eigentliche Risiko.
Mit zunehmender Größe und Komplexität einer Organisation verändert sich die Art der Entscheidungen. Während operative Themen zunehmend von Führungskräften und Mitarbeitenden übernommen werden, verbleibt die Verantwortung für die nachhaltige Entwicklung des Unternehmens bei der Unternehmensleitung.
Kunden, Mitarbeitende, Wachstum, Veränderung, Chancen und Risiken wirken gleichzeitig auf Entscheidungen ein. Der Blick richtet sich zunehmend auf Zusammenhänge, Wechselwirkungen und langfristige Entwicklungen. Gleichzeitig entsteht ein natürlicher Abstand zu den operativen Details des Tagesgeschäfts. Genau diese Distanz ermöglicht es, strategisch zu denken, Prioritäten zu setzen und die Zukunft der Organisation aktiv zu gestalten.
Genau darin liegt jedoch auch das Risiko.
Denn mit zunehmendem Abstand wächst die Gefahr, Situationen überwiegend aus der eigenen Wahrnehmung heraus zu bewerten. Abweichende Meinungen erscheinen dann nicht immer als wertvolle Ergänzung, sondern gelegentlich als Widerstand gegen eine Idee oder einen eingeschlagenen Weg. Dadurch gehen Perspektiven verloren, die möglicherweise wichtige Risiken, Chancen oder Handlungsoptionen sichtbar gemacht hätten.
Die Auswirkungen zeigen sich meist erst später. Entscheidungen werden getroffen, Veränderungen umgesetzt und Projekte gestartet. Erst im Nachgang wird deutlich, welche Sichtweisen gefehlt haben und welche Konsequenzen daraus entstanden sind.
Die teuersten Entscheidungen entstehen deshalb häufig lange bevor sie getroffen werden. Nicht, weil Informationen fehlen. Sondern, weil wichtige Perspektiven fehlen.
Eine meiner dysfunktionalsten Entscheidungen.
Vor vielen Jahren kam es in meinem Unternehmen zu einem Konflikt mit einer erfahrenen Führungskraft.
Aus meiner Sicht lag eine wirtschaftliche Chance auf dem Tisch. Die Zahlen schienen zu passen, die Entscheidung erschien logisch und der eingeschlagene Weg war für mich klar.
Die betreffende Führungskraft sah dieselbe Situation völlig anders. Während ich vor allem die Chancen erkannte, richtete sich ihr Blick auf Risiken, Wechselwirkungen und mögliche Auswirkungen auf bestehende Abläufe.
Damals war ich überzeugt, die Situation richtig eingeschätzt zu haben.
Heute weiß ich:
Das eigentliche Problem war weder die Person noch die Entscheidung.
Das eigentliche Problem war meine Interpretation der Situation.
Ich war überzeugt, dass eine sinnvolle Veränderung blockiert wird. Tatsächlich wurde mir jedoch eine Perspektive aufgezeigt, die ich selbst nicht gesehen hatte.
Die Erkenntnis kam mit dem Reiss Motivation Profile®. Für die bereits getroffene Entscheidung kam sie allerdings zu spät.
Heute betrachte ich Einwände, Kritik und abweichende Sichtweisen anders als damals. Nicht weil jede Meinung automatisch richtig ist. Sondern weil jede Perspektive Informationen enthalten kann, die mir in diesem Moment noch fehlen.
Die entscheidende Frage lautet für mich deshalb nicht mehr:
Wer hat Recht?
Sondern:
Was sieht der andere, was ich gerade nicht sehe?
Wer war Steven Reiss?

Die Frage, warum Menschen dieselbe Situation unterschiedlich wahrnehmen, beschäftigte auch den amerikanischen Psychologen und Universitätsprofessor Steven Reiss (1947-2016). Während eines längeren Krankenhausaufenthaltes begann er sich intensiv mit einer einfachen, aber tiefgreifenden Frage auseinanderzusetzen:
Was treibt Menschen wirklich an?
Nach seiner Genesung widmete er sich über viele Jahre der Motivforschung. Aus ursprünglich mehr als 500 möglichen Beweggründen entwickelte er mithilfe umfangreicher empirischer Untersuchungen und statistischer Verfahren ein Modell mit 16 grundlegenden Lebensmotiven, die in jedem Menschen vorhanden sind.
Seine zentrale Erkenntnis war dabei ebenso einfach wie faszinierend:
Nicht die Motive unterscheiden Menschen voneinander. Die Unterschiede entstehen durch die individuelle Ausprägung dieser Motive.
Jeder Mensch besitzt dieselben grundlegenden Motive. Was uns unterscheidet, ist die Bedeutung, die wir ihnen beimessen. Daraus entsteht eine Persönlichkeit, die so individuell ist wie ein Fingerabdruck.
Aus dieser Forschung entstand das Reiss Motivation Profile®, das heute weltweit eingesetzt wird, um menschliche Motivstrukturen sichtbar und verständlich zu machen.
Was ist das Reiss Motivation Profile®?
Das Reiss Motivation Profile® macht sichtbar, welche Motive, Werte und Antreiber unser Denken, Entscheiden und Handeln beeinflussen.
Es bewertet Menschen nicht und ordnet sie nicht in Kategorien ein. Stattdessen hilft es zu verstehen, warum Menschen dieselbe Situation unterschiedlich wahrnehmen und daraus unterschiedliche Entscheidungen ableiten.
Die Grundlage bilden 16 Lebensmotive, die nach den Forschungen von Steven Reiss in jedem Menschen vorhanden sind. Was uns unterscheidet, ist nicht das Vorhandensein dieser Motive, sondern deren individuelle Ausprägung. Daraus entstehen unterschiedliche Prioritäten, Bedürfnisse und Sichtweisen.
Menschen unterscheiden sich nicht dadurch, dass sie andere Motive besitzen. Menschen unterscheiden sich dadurch, welche Bedeutung sie diesen Motiven geben.
Genau darin liegt für mich die Stärke des Reiss Motivation Profile®. Es schafft Verständnis. Für uns selbst. Für andere Menschen. Und damit die Grundlage für respektvolle Kommunikation, tragfähige Entscheidungen und erfolgreiche Zusammenarbeit.
Die 16 Lebensmotive.
Die Forschungen von Steven Reiss führten zu 16 grundlegenden Lebensmotiven, die in jedem Menschen vorhanden sind. Sie beeinflussen, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten, was wir als wichtig empfinden und wie wir Situationen bewerten.
Dabei gibt es keine guten oder schlechten Motive. Ebenso wenig existiert eine ideale Ausprägung. Die Unterschiede entstehen ausschließlich dadurch, welche Bedeutung einzelne Motive für einen Menschen haben.
Genau daraus ergeben sich unterschiedliche Sichtweisen, Prioritäten und Verhaltensweisen.

Jeder Mensch besitzt ein individuelles Motivprofil
Aus den unterschiedlichen Ausprägungen der 16 Lebensmotive entsteht ein individuelles Motivprofil.
Dieses Profil macht sichtbar, welche Motive besonders stark ausgeprägt sind, welche eher neutral wirken und bei welchen Motiven eine Person deutlich anders bewertet als viele andere Menschen.

Entscheidend ist dabei nicht die einzelne Ausprägung, sondern das Zusammenspiel der Motive und deren Wechselwirkungen. Häufig entstehen die wertvollsten Erkenntnisse genau dort.
Vom Individuum zum Team
Besonders spannend wird es, wenn mehrere Profile miteinander betrachtet werden.
Plötzlich wird sichtbar, warum Menschen dieselbe Situation unterschiedlich wahrnehmen. Unterschiede, die zuvor als Widerstand, Kritik oder Konflikt interpretiert wurden, erhalten einen nachvollziehbaren Kontext.

Dadurch entsteht eine neue Qualität der Kommunikation. Nicht weil plötzlich alle einer Meinung sind. Sondern weil unterschiedliche Perspektiven sichtbar und verständlich werden.
Perspektiven sichtbar machen
Werden mehrere Profile gemeinsam ausgewertet, entsteht eine Art Landkarte vorhandener Perspektiven.

Dadurch lässt sich erkennen, welche Sichtweisen in einer Gruppe stark vertreten sind und wo möglicherweise Perspektiven fehlen, die für Entscheidungen, Veränderungen oder die Weiterentwicklung einer Organisation wertvoll sein könnten.
Genau deshalb betrachte ich das Reiss Motivation Profile® nicht als Persönlichkeitsanalyse.
Ich betrachte es als ein Werkzeug, das Perspektiven sichtbar macht.
Warum ein Profil allein nicht reicht.
Das Reiss Motivation Profile® macht Motive, Werte und persönliche Antreiber sichtbar. Es beantwortet jedoch keine Fragen.
Es liefert Anhaltspunkte für die richtigen Fragen.
Die entscheidenden Erkenntnisse entstehen nicht im Diagramm, sondern im Dialog. Erst wenn die Ergebnisse mit den tatsächlichen Herausforderungen des beruflichen und persönlichen Alltags in Verbindung gebracht werden, wird aus einer Auswertung eine Reflexion.
Und erst aus der Reflexion entsteht Verständnis.
Die wahre Stärke.
Viele Menschen betrachten das Reiss Motivation Profile® als Analysewerkzeug. Aus meiner Sicht liegt seine eigentliche Stärke jedoch an einer ganz anderen Stelle:
Das Reiss Motivation Profile® eröffnet Kommunikation.
Plötzlich werden Unterschiede sichtbar, ohne sie bewerten zu müssen. Aus Widerstand werden Perspektiven. Aus Missverständnissen entstehen Gespräche.
Genau deshalb arbeite ich in der Auswertung nicht nur mit dem Profil meines Gesprächspartners. Ich lege mein eigenes Profil daneben. Dadurch werden unterschiedliche Sichtweisen sichtbar und nachvollziehbar.
Die eigentliche Stärke des Reiss Motivation Profile® liegt nicht in der Analyse. Sie liegt in der Qualität der Gespräche, die dadurch möglich werden.
Verständnis entsteht im Dialog.
Die Teeküche als Spiegel unterschiedlicher Perspektiven.
Besonders spannend wird es, wenn mehrere Menschen gemeinsam betrachtet werden.
Ein einfaches Beispiel ist die Teeküche.
Für die eine Person ist die nicht eingeräumte Tasse lediglich eine Tasse.
Für die nächste Person ein Verstoß gegen Ordnung und Struktur.
Für eine dritte Person mangelnde Wertschätzung.
Die Realität ist dieselbe.
Die Wahrnehmung nicht.

Werden mehrere Profile gemeinsam betrachtet, wird nachvollziehbar, warum Menschen dieselbe Situation unterschiedlich bewerten und weshalb bestimmte Themen immer wieder diskutiert werden.
Das Ziel besteht dabei nicht darin, dass alle gleich denken.
Nicht: Wer hat Recht?
Sondern: Welche Perspektive fehlt uns möglicherweise noch?
Warum ich mit dem RMP arbeite.
Im Laufe meiner unternehmerischen Tätigkeit habe ich gelernt, dass die meisten Probleme nicht durch fehlende Informationen entstehen.
Oft stehen die relevanten Informationen bereits zur Verfügung.
Die eigentliche Herausforderung besteht darin, unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen und in Entscheidungen einzubeziehen.
Ich arbeite mit dem Reiss Motivation Profile®, um die Wahrscheinlichkeit zu reduzieren, dass wichtige Perspektiven verloren gehen
Das Reiss Motivation Profile® hilft dabei, unterschiedliche Wahrnehmungen, Motive und Sichtweisen sichtbar zu machen. Nicht um Menschen zu bewerten oder einzuordnen. Sondern um besser zu verstehen, warum unterschiedliche Menschen dieselbe Situation unterschiedlich betrachten.
Die teuersten Entscheidungen entstehen häufig lange bevor sie getroffen werden. Nicht weil Informationen fehlen. Sondern weil wichtige Perspektiven fehlen.
Genau deshalb bildet das Reiss Motivation Profile® heute einen festen Bestandteil meiner Unternehmerischen Standortbestimmung.
Warum das RMP Bestandteil meiner unternehmerischen Standortbestimmung ist.
Die Unternehmerische Standortbestimmung dient nicht dazu, vorschnelle Lösungen zu entwickeln oder Maßnahmen abzuleiten.
Sie dient zunächst dazu, die aktuelle Situation zu verstehen.
Dabei interessieren mich nicht nur Prozesse, Kennzahlen, Risiken oder Strukturen. Mich interessiert vor allem die Frage, aus welcher Perspektive diese Themen überhaupt betrachtet werden.
Genau deshalb beginnt die Unternehmerische Standortbestimmung mit dem Reiss Motivation Profile®.
Es schafft eine gemeinsame Grundlage für Reflexion, Orientierung und Dialog. Nicht um Menschen zu verändern, sondern um besser zu verstehen, wie Entscheidungen entstehen und weshalb unterschiedliche Menschen dieselbe Situation unterschiedlich bewerten.
Dadurch entsteht Klarheit. Nicht nur über die Organisation, sondern zunächst über die Menschen, die Verantwortung für sie tragen.
Die Wahrscheinlichkeit guter Entscheidungen steigt dort, wo unterschiedliche Perspektiven sichtbar werden.
Und genau deshalb beginnt meine Arbeit an dieser Stelle.
Herzliche Grüße aus dem Rheinland
Alexander Rank
Weiterführende Information zur "unternehmerischen Standortbestimmung finden Sie hier:





